Die Nachfrage nach Ethanol steigt

Quelle: Ludwigshafener Rundschau vom 31.03.2020

Ethanol-Produktion brummt

Ethanol, auch als gewöhnlicher Alkohol bekannt, ist ein Grundstoff von Desinfektionsmitteln. Bei der Ludwigshafener Firma Berkel AHK ist die Nachfrage nach Ethanol wegen der Corona-Krise extrem gestiegen. Nicht-medizinische Kunden müssen deswegen momentan oft vertröstet werden.

Artikel vom 31.03.2020 aus der Ludwigshafener Rundschau Die Firma Berkel AHK ist seit vielen Jahrzehnten als Ethanol-Produzent in Ludwigshafen tätig. „Von der Ein-Liter-Flasche bis hin zum Tanklastzug liefern wir an Ethanol eigentlich alles“, sagt Geschäftsführer Mathias Berkel. Im März hat die Firma bereits 1,7 Millionen Liter nur von ihrem Ludwigshafener Standort ausgeliefert. Von dort werde die Metropolregion Rhein-Neckar bedient, sagt Berkel. Ohne die Corona-Krise läge die ausgelieferte Menge etwa bei der Hälfte, schätzt der Geschäftsführer. „Nimmt man unsere Standorte Berlin und Lippstadt dazu, sind wir derzeit bei rund drei Millionen Litern.“
Momentan müssen die Kunden aus anderen Bereichen, in denen Ethanol zur Anwendung kommt, etwa Druckfarben und Spirituosen, oft vertröstet werden – oder sie bekommen nur einen Teil der gewünschten Menge. Der Fokus liege auf dem medizinischen Bereich, der habe wegen der Situation um das Coronavirus ganz einfach Priorität. „Wir sind kein Hersteller von Desinfektionsmitteln“, macht Berkel deutlich. „Wir kaufen minderwertige Alkohole, etwa von der Firma Crop Energies in Mannheim, und bereiten sie auf – in diesem Fall so, dass sie in Desinfektionsmitteln verwendet werden können.“ Der Fachbegriff für die Reinigung von Flüssigkeiten lautet Rektifikation. Ohne diese spezielle Aufbereitung wäre das Ethanol zum Beispiel ölig und würde unangenehm riechen, erklärt der 59-jährige Fachmann.
Die Firma Berkel sei in der Lage, das Ethanol für verschiedene Abnehmer unterschiedlich zu portionieren. Zu den Kunden aus dem medizinischen Bereich gehören Desinfektionsmittelhersteller, aber auch Arztpraxen, Apotheken und ambulante Pflegedienste. Eine gängige Zusammensetzung für Desinfektionsmittel bestehe aus Wasser, Wasserstoffperoxid, Glycerin und eben Ethanol, erklärt Mathias Berkel. „Doch es gibt natürlich viele verschiedene Rezepturen.“

Kooperation mit BASF angeregt

In den Medien häufen sich derzeit die Meldungen, dass Ethanol knapp werde. Die Hersteller von Desinfektionsmitteln, auch die großen, möchten mehr produzieren und brauchen daher auch mehr Ethanol, zeigt Berkel die Lage auf. Ob der Rohstoff wirklich irgendwann knapp werde oder sogar ganz ausgehe, kann er schlecht beurteilen: „Ich bin kein Prophet. Aber ich kann für unsere Firma sprechen: Unsere Produktion ist Stand jetzt für die nächsten Wochen stabil. Wir sind gut ausgestattet.“ Seine Mitarbeiter hätten sich extra ins Zeug gelegt und am vergangenen Wochenende sogar durchgearbeitet, so Berkel. „Am Samstag und Sonntag waren fast alle da“, lobt er. Wochenendarbeit habe es vorher noch nie gegeben.
Die BASF hat eine Aktion gestartet, um in der Corona-Krise unterstützend tätig zu werden: Die Firma stellt Handdesinfektionsmittel her, um es Krankenhäusern in der Metropolregion Rhein-Neckar umsonst zur Verfügung zu stellen. Bei der BASF werde für die Herstellung Isopropanol – ebenfalls ein Alkohol – als Grundstoff verwendet, sagt Berkel. Isopropanol sei ein großes Industrieprodukt mit zwei prominenten Herstellern: Shell und Ineos. Er habe eine Kooperation mit der BASF angeregt: „Wir können der BASF als Alternative unser Ethanol anbieten, sofern dort das Isopropanol ausgeht. Ethanol sei im Grunde auch sauberer als Isopropanol“, fügt er hinzu. Ein erster Tankzug des guten Ethanols wurde inzwischen an die BASF geliefert.